Aus der BZ: Allein Grabungen kosten eine Million

  • UWerner
  • 19. Juni 2020

Von Eva Opitz

Fr, 19. Juni 2020

Im Tiengener Rat wird Unzufriedenheit mit schleppendem Fortgang beim Baugebiet „Hinter den Gärten“ deutlich.

Hauptthema der Sitzung des Tiengener Ortschaftsrates war der Planungsprozess zum Baugebiet „Hinter den Gärten“ (die BZ berichtete) mit deutlicher Kritik am Stadtplanungsamt. Eine ausgedehnte Bürgerfrageviertelstunde, Zustimmung zu einem Bauantrag und der aktualisierten Fassung der Satzung für elektronische Bekanntmachungen des Rathauses flankierten den Abend.

Die Ausgangslage: Ortsvorsteher Maximilian Schächtele (Aktive Bürger Tiengen) gab einen Überblick zur Geschichte des Baugebietes seit dem Beginn der Planungen 2015. Frank Edelmann von der Firma „Kommunalkonzept“, die im Auftrag der Eigentümergemeinschaft (GbR) als Partner und Scharnier zwischen Stadt und Bauherren den Prozess begleitet, stellte die aktuelle Planung vor, die von den Eigentümern als widersprüchlich und zu langsam eingestuft wird.

Kritik am Stadtplanungsamt: Zu Beginn des Jahres sei es positiv aufgenommen worden, dass Baufenster ausgeweitet und damit eine flexiblere Gestaltung der Häuser möglich sei, heißt es in einem Brief des beratenden Beirats an den Bauausschuss, der der BZ vorliegt. Er ist unterschrieben von Vertretern der privaten Eigner und der Investoren. In dem vorliegenden Plan sei dieser Ankündigung jedoch nicht entsprochen worden. Es heiße zudem, die Bushaltestelle und die Stichstraßen seien verkleinert worden. Kurz danach sei jedoch dieser Flächengewinn zugunsten von mehr öffentlichen Grünflächen eingesetzt worden, was den Interessen der Eigentümer widerspreche. Auch die zusätzlichen Fußwege seien von den Eigentümern als unnötig eingestuft worden, so Edelmann: „Die Eigner finden sich in der Planung nicht wieder.“

Reaktion der Eigentümer: Edelmann hob hervor, dass die Eigentümer der Abgabe von 8000 Quadratmeter für geförderten Wohnungsbau von den circa 40 000 Quadratmetern Nettobaulandfläche zugestimmt hätten, was zwanzig Prozent entspreche. Auch die Kosten von knapp 1 Million Euro für die archäologische Rettungsgrabung, was pro Quadratmeter Nettobauland 26 Euro entspreche, würden von den Bauwilligen getragen. „Wir privaten Eigentümer dürfen nur die mit der langsamen Planung steigenden Kosten bezahlen, werden aber nicht gehört“, kommentierte eine Bauherrin aus der kleinen Gruppe der privaten Grundstückseigentümer. Sie habe Angst, dass sie ihr Grundstück verkaufen müsse, weil es nicht mehr bezahlbar sei, es zu bebauen. Es fehle zudem der direkte Austausch mit dem Stadtplanungsamt und den Fachämtern, so ein weiterer Bauherr.
Reaktion des Ortschaftsrates: Er könne es nicht nachvollziehen, warum das Stadtplanungsamt so langsam reagiere“, erklärte Karl-Heinz Geppert (Wählervereinigung Tiengener Bürger). Stefan Haager Bürger für Tiengen) kritisierte, dass in dem Plan kein einziger Verweis auf Kinder und ältere Leute zu finden sei: „Es werden Baugebiete ausgewiesen und geplant, ohne an Angebote zur Betreuung oder Kindergärten zu denken.“ Im Laufe des Prozesses werde es dazu Antworten geben, versprach Edelmann. Der Ortschaftsrat stimmte mit zehn Ja-Stimmen dem Plan zu, allerdings mit der Vorgabe, dass unter anderem das Wohnen nicht durch zu enge Vorgaben eingegrenzt und das Baugebiet zügig entwickelt werde.

Weiteres Thema: Zum wiederholten Male äußerte der Tiengener Horst Jenne in der Frageviertelstunde seinen Unmut über das Garten- und Tiefbauamt. Es habe – den Protest der Bürger wegen hoher Laub- und Samenverbreitung missachtend – „Im Maierbrühl“ statt der gewünschten Kirschbäume wieder Spitzahorn gepflanzt. Diesmal galt sein Zorn auch dem Ortschaftsrat, der ihn nicht genügend unterstützt habe. Er kündigte an, zur nächsten Sitzung einen Antrag auf Entfernung der Bäume zu stellen.

Sitzungsdauer: 125 Minuten.
Teilnehmer: 13 von 14 Räten.
Zuhörer:15.

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